Stolpersteine
Geschichte
Stolpersteine in Wintrich
Mit den Stolpersteinen in Wintrich wird an Menschen erinnert, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet, deportiert oder ermordet wurden. Die kleinen Messingtafeln werden jeweils vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnsitz der Betroffenen verlegt und machen ihre Namen und Schicksale im öffentlichen Raum wieder sichtbar.
Erinnern heißt Verantwortung übernehmen
Mit der Verlegung von sieben Stolpersteinen erinnert die Ortsgemeinde Wintrich an ehemalige Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Die Stolpersteine stehen stellvertretend für Menschen, die einst als Nachbarn, Händler und Teil unserer Dorfgemeinschaft in Wintrich lebten. Es waren Menschen, die man kannte, mit denen man den Alltag teilte, gemeinsam feierte, trauerte oder auch stritt – Menschen, die zu unserem Dorf gehörten.
Sie wurden aus ihrem Leben herausgerissen – nicht durch Schicksal, sondern durch systematische Entrechtung, Boykott, Gewalt und schließlich durch Deportation. Was auch in Wintrich geschah, war Teil eines organisierten Verbrechens, das sich über ganz Europa erstreckte und nur möglich wurde, weil Menschen mitwirkten, wegschauten oder schwiegen.
Die Verlegung der Stolpersteine und die intensive Aufarbeitung der Lebensgeschichten haben deutlich gemacht, wie eng die Schicksale der Betroffenen mit der Geschichte unseres Ortes verbunden sind. Durch die Recherchen von Dr. Bernardo Mertes wurden die Biografien der Opfer umfassend dokumentiert und damit ein wichtiger Beitrag zur lokalen Erinnerungskultur geleistet.
Dr. Bernardo Mertes hat bereits in Brauneberg Stolpersteine initiiert und die Idee schließlich auch nach Wintrich gebracht. Die Ortsgemeinde dankt ihm herzlich für sein außergewöhnliches Engagement sowie für seine intensive Forschungsarbeit, die die Grundlage für die Verlegung hier in Wintrich geschaffen hat.
Die Beschäftigung mit den Lebensgeschichten der Betroffenen macht Geschichte konkret. Es geht nicht mehr nur um ferne historische Ereignisse, sondern um Menschen aus unserem Dorf, um Straßen, die wir heute noch gehen, und um Häuser, die bis heute das Ortsbild prägen. Die Auseinandersetzung mit diesen Schicksalen zeigt eindringlich, dass Ausgrenzung und Unrecht nicht irgendwo beginnen, sondern mitten in der Gesellschaft.
Der Historiker Raphael Gross hat dies treffend formuliert: „Nie wieder kann man nur sagen, wenn man Kenntnis davon hat, was tatsächlich war.“
Diese Kenntnis ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss bewahrt und weitergegeben werden – in Schulen, in Gemeinden und in Gesprächen. Erinnerung beginnt an den Orten, an denen Menschen gelebt haben.
Die Stolpersteine erinnern deshalb nicht nur an die Opfer. Sie sind zugleich Mahnung für Gegenwart und Zukunft. Angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen und zunehmender Polarisierung bleibt es wichtig, sich der Geschichte zu erinnern und die richtigen Lehren daraus zu ziehen. Eine lebendige Erinnerungskultur trägt dazu bei, den Respekt voreinander zu bewahren und das Miteinander in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen.
Die Stolpersteine in Wintrich sind kleine Steine mit großer Bedeutung. Sie erinnern an Menschen, die nicht vergessen werden dürfen, und an unsere gemeinsame Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Zugleich laden sie dazu ein, innezuhalten, nachzufragen und zu erinnern.
Auf dieser Seite veröffentlichen wir die Biografien der Betroffenen. Sie sollen dazu beitragen, die Erinnerung wachzuhalten, den Menschen hinter den Namen ein Gesicht zu geben und das Bewusstsein für unsere gemeinsame historische Verantwortung zu stärken. Denn eine lebendige Erinnerungskultur ist ein Zeichen von Respekt, Menschlichkeit und Verbundenheit.
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